Luftsportverein Mönchsheide

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Zum Berg der Segelflieger

Mönchsheider Piloten flogen zur Wasserkuppe

Als krönenden Abschluss des diesjährigen Sommerlagers hatte sich Fluglehrer Wolfgang Schneider etwas Besonderes ausgedacht: einige der jüngeren Segelflieger hatten noch nie Gelegenheit die Wiege des Segelfliegens in der Rhön zu besuchen. „Steckt eine Kerze an, damit wir am 7. August gutes Wetter haben!“, bat Schneider augenzwinkernd zu Beginn des dreiwöchigen Fliegens auf der Mönchsheide.

Natürlich muss ein Gruppenflug mit mehreren motorgetriebenen Flugzeugen gut geplant und vorbereitet sein. Welche Maschinen stehen bereit ?  - Wer sind die Piloten ? – Wer kann mitfliegen ? – Vor allem aber: Stimmt der Flugplatz Wasserkuppe der Landung einer kleineren „Invasionstruppe“ zu ? Denn der höchst gelegene Flugplatz Deutschlands hält einige Besonderheiten bereit: eine der bekanntesten Segelflugschulen bietet dort laufend Kurse an, es gibt nur begrenzten Abstellplatz für Besucher-Flugzeuge und – vor allem: die einzige Asphalt-Landebahn ist stark geneigt, so dass immer bergauf gelandet werden muss und in Gegenrichtung bergab gestartet, unabhängig vom gerade herrschenden Wind – für Ungeübte sehr ungewöhnlich: startet und landet man doch sonst immer gegen den Wind, das weiß heutzutage jeder Flugtourist.

Wenn sich also ein Flugzeug per Funk bei der Flugleitung der Wasserkuppe zur Landung meldet, muss der Startbetrieb gestoppt werden – es soll ja zu keiner Kollision kommen! Das hört sich dann etwa so an: „Wasserkuppe Info, D-KGAN in 5 min zur Landung“ – „D-KGAN melden Sie rechten Gegenanflug Piste 24 in 4000 Fuß!“ Wenn diese Position erreicht und gemeldet ist, folgt: „D-KGAN melden Sie rechten Queranflug 24!“ und kurz danach: „D-AN Landung Piste 24 frei, Wind aus 160 Grad, 8 Knoten, erwarten Sie Turbulenz und Leewirkung!“ Oho, das bedeutet Wind von links hinten – und das „Verstanden D-AN“ kommt etwas gespannt.

Die Landung „bergauf“ erfordert an sich schon mehr Fahrt als gewöhnlich, damit für den Abfangbogen genügend Energie bleibt. Der Rückenwind tut ein Übriges: der Flieger wird gegenüber dem Boden charmant schnell und so gelingt nicht jede Landung gut. Es schaukelt heftig, die oben auf ihren Start wartenden Flugzeuge kommen bedrohlich näher: schon ist der Boden da – doch verschätzt, denkt der Pilot noch – bums – harte Landung! Ärgern hilft nicht mehr, gleich werden wir das Fahrwerk und das ganze Flugzeug checken. Anderen gelingt die Landung weich und elegant – haben die nur Glück oder eher mehr Übung ? Selbstkritisch muss ein Pilot immer bleiben.

8 Flugzeuge und 18 Personen treffen nach und nach in der Rhön ein, einige nach etwa einer Stunde Flugzeit, andere etwas langsamer, zwei sogar nach einer Zwischenlandung in Gießen zum Nachtanken. Nun stehen sie fein säuberlich geparkt in zwei Reihen: Motorflugzeug DR 400 R - Ultraleichte: C 42,  Dynamic, Zodiac und Vagabund - Motorsegler: Super Dimona,  SF 28 und  Taifun 17E.

Im Segelflugmuseum schwelgen die Älteren in Begegnungen mit den Segelflugzeugen ihrer Anfänger-Zeit, die Jüngeren staunen, welche Leistungen die Pioniere der Fliegerei vollbrachten, um „in die Luft“ zu kommen. Manchem wird erst hier bewusst, das sich das Segelfliegen von dieser Stelle aus weltweit verbreitet hat. Und bei der Wanderung um die Kuppe gewinnen die Worte auf dem Medaillon des Fliegerdenkmals ihre Relevanz: wer Schwierigkeiten überwindet, ist Sieger.

Eine leckere Kartoffelsuppe und ein großes Glas Apfelschorle in der Fliegerklause – alles vorbestellt – stärken für den Rückflug und nach den obligatorischen Vorflugchecks rollt die Armada zum Start: mit einem freundlichen „Auf geht’s!“ entlässt der Flugleiter einen nach dem anderen und schickt ihnen noch ein „Der Herr sei mit Euch!“ als guten Wunsch in den Äther nach – Danke, Wasserkuppe!

Der Wetterbericht stimmte: kaum war der langsamste auf der heimatlichen Mönchsheide gelandet, kam von Westen die gemeldete Wolkenwand herein und Wolfgang Schneider konnte beim Debriefing nicht nur den herzlichen Dank aller Teilnehmer für diesen Flug, sondern auch für die Organisation und seine Betreuung des gesamten Sommerlagers entgegennehmen. Seine bescheidene Antwort: „Ich glaube, da hat wirklich einer ein Kerzchen aufgestellt!“