Luftsportverein Mönchsheide

...nur fliegen ist schöner!

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Natur und Umwelt

Natur und Luftsport auf der Mönchsheide

Vom Vogelflug zum Flugplatz

Der Vogelflug war Vorbild für die Flugpioniere wie Leonardo da Vinci, Gusmao, Otto Lilienthal oder die Gebrüder Wright. Das mühelose Gleiten einer Möwe im Hangaufwind oder von Zugvögeln wie Kranichen und Störchen inspirierte den Menschen bei der Konstruktion von Fluggeräten. Heute ist dieser Traum vom Fliegen Wirklichkeit geworden. Ballone, Gleitschirme, Hängegleiter, Segelflugzeuge, Ultraleicht-, Reisemotorsegel- oder Motorflugzeuge und Helikopter bieten fantastische Möglichkeiten, die Welt aus einer anderen Perspektive zu erleben. Beim Modellflug bleibt der Mensch zwar am Boden, aber auch die Pilotinnen und Piloten von Modellflugzeugen empfinden die Faszination des Fliegens und der Beherrschung der drei Dimensionen. Fliegen ist stark von Wind und Wetter beeinflusst und vermittelt immer auch ein besonderes Naturerlebnis (s. a. Scholze u. Klaassen 2009).

Flugplätze und Fluggelände wie hier auf der Mönchsheide wurden und werden für den sicheren Betrieb von Luftfahrzeugen angelegt. Man kann sich auf ihnen aber auch erholen und sie sind ideale Plätze, um die Seele baumeln zu lassen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Für viele Piloten sind sie nicht nur wegen der Möglichkeit, dort fliegen zu können, angenehme Orte. Hier trifft man Freunde und Fliegerkollegen und es bieten sich viele  interessante Gespräche und fachlicher Austausch. Bei uns auf der Mönchsheide kann sich die ganze Familie erholen, von der Gaststätte über eine schöne Jogging-Strecke bis hin zu einem Baumhaus und einem Kinderspielplatz wird hier, neben dem spannenden Flugbetrieb, alles geboten.



  
 Abb. 1: Turmfalke beim Rüttelflug  Abb. 2: Plakat des DAeC über den Lebensraum Flugplatz

Auf genau diesem Platz, auf dem z. B. gerade ein Flugzeug gestartet ist, rüttelt kurz danach ein Turmfalke (s. Artikel Turmfalke) auf der Jagd nach Beute, die Feldlerchen steigen singend aus den bunten Wiesen auf, in der blühenden Hecke hinter dem Rollweg zwitschert die Goldammer und in den Wäldern um den Flugplatz leben mehrere Spechtarten. Offensichtlich ist unser Platz nicht nur Lebensraum für Piloten, sondern auch für viele Tiere und Pflanzen.
Aber warum sind Flugplätze und Fluggelände häufig auch wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere (s. Abb. 1)? Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick auf die Geschichte der Entstehung von Flugplätzen und Fluggeländen werfen.

Trotz der großen Vielfalt in der Allgemeinen Luftfahrt ist eine wichtige Gemeinsamkeit festzustellen: Für Starts und Landungen von Luftfahrzeugen werden mehr oder weniger große Freiflächen benötigt.
Zu jener Zeit, in der Flugplätze und Fluggelände geplant, gebaut oder Freiflächen für den Flugbetrieb genutzt wurden, mussten die passenden Standorte gefunden werden. Größere Flächen wurden nur selten extra für die Anlage eines Flugplatzes gerodet. Meist wurden bereits existierende, ebenerdige und hindernisfreie Flächen gewählt. Ertragreiche Ackerflächen standen in der landwirtschaftlichen Flur in der Regel nicht zur Anlage von Flugplätzen und Fluggeländen zur Verfügung.
Flugplätze und Fluggelände wurden daher bevorzugt im ertragsarmen oder schwer zu bewirtschaftenden Grünland, in Flussauen, in und am Rande von Feuchtgebieten oder auf steinreichen Mager- und Trockenrasen angelegt. So brauchten die Landwirte nicht auf ihre Äcker zu verzichten und konnten durch Verpachtung oder Verkauf aus für sie unrentablen Flächen noch einen kleinen Erlös erzielen. Die Luftfahrer kamen zu vertretbaren Konditionen zu ihrem Gelände.
Auf Flugplätzen und Fluggeländen findet sich somit eine Vielzahl von unterschiedlichen Lebensräumen, die von Pflanzen und Tieren besiedelt werden. Mehrere von ihnen sind für Flugplätze und Fluggelände regelrecht typisch, weil sie durch deren Entstehungsgeschichte begründet und durch die Anforderungen der Luftfahrt bedingt, gefördert und erhalten werden. So dominieren meist magere Wiesen oder so genannte Magerrasen wie zum Beispiel Trocken- und Halbtrockenrasen oder Borstgrasrasen.

Natur und Umweltschutz auf der Mönchsheide

Schon in der Ausbildung der Luftfahrer spielt die Pflege des Flugplatzes und seiner Umgebung eine Rolle: da alle Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden, erkennt bereits ein jugendlicher Flieger den Unterschied zwischen einem agrarisch genutzten Feld und dem Flugplatzgelände: hier wachsen seltene Pflanzen, nichts wird umgepflügt, keine Düngung belastet das Grundwasser der wertvollen Rheinterrasse, keine Chemie unterdrückt die Vielfalt der Flora, seltene Blütenpflanzen ziehen viele Insektenarten an, Vögel finden reiche Nahrung. So verwundert es nicht, dass auf der Mönchsheide der Bussard und der Milan den Fliegern kreisend die erste Thermik markieren, dass der Falke und der Sperber rüttelnd nach Beute spähen, dass nachts der Kauz aus dem naturbelassenen Wald ruft und Wildgänse und Kraniche auf ihren Zügen "Zwischenlandungen" bei uns machen.

Umwelttag auf der Mönchsheide

Der LVM hat sich bereits 1998 für den Natur- und Umweltschutz engagiert. So werden jährliche Müllsammelaktionen im Frühjahr im Rahmen des „Dreck-Weg-Tages“ durchgeführt (s. Abb. 3). In jedem Frühjahr lädt der Vorstand zu einer Sammelaktion auf der Mönchsheide. Am Umwelttag im März treffen sich die Aktiven - gerne auch mit den Familien und sogar bei schönstem Flugwetter - um den Wald, die Wege und Randflächen des Flugplatzes von Müll zu reinigen. "Schleppt alles heran, was nicht in die Natur gehört!" ist die Devise für die Suchtrupps.

Auf Kosten des Vereins steht jedes Jahr ein großer Container bereit. Wie nicht anders zu erwarten, konnten ihn die Flieger bei den zahlreichen Aktionen mühelos füllen. Anschließend gibt es für alle, die mitgemacht haben, eine leckere warme Mahlzeit mit Getränken im Flugplatz-Casino. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel sich innerhalb eines Jahres ansammelt bzw. was die Besucher einfach in die Natur werfen und nicht vernünftig entsorgen. Die Hitliste führen Taschentücher und Zigarettenkippen an, aber auch Reifen, Stühle, Plastiktüten und Hausmüll werden jedes Jahr gefunden. 

Aber das ist lange noch nicht alles. Der LVM trägt auch zur Erhaltung und Entwicklung der offenen Heidelandschaft, bei. Die Heide mit ihrem  charakteristischen Heidekraut (Calluna spec.) (s. Abb. 4) welches noch in Restbeständen im Bereich der Querbahn zu finden ist, hat Mönchsheide ihren Namen verliehen. Die Heidepflanzen können sich jedoch nur entwickeln, wenn sie genug Raum und Licht haben, weshalb mit einem sorgfältigen Pflegeschnitt einer Verbuschung vorgebeugt werden muss. Dies übernehmen im Rahmen des jährlichen Arbeitseinsatzes die Mitglieder des LVM. Aus dem Schnitt werden sog. Benjeshecken als Lebensraums für Vögel und Insekten aufgeschichtet.


  
 Abb. 2: Unsere „Rasenmäher“ im Hintergrund hinter einer Ka8 Abb. 3: Ergebnis der Müllsammelaktion „rund um die Mönchsheide“ 2009.  Abb. 4: Heidekraut (Calluna spec.) auf der Mönchsheide.
   

 
Die Landebahn muss frei gehalten werden daher darf das Gras auch nicht zu hoch wachsen. Die idealen Rasenmäher hierzu sind Schafe (s. Abb. 2)! Ein Schäfer nutzt unsere Flächen und „mäht“ mit Hilfe seiner Schafe die Bereiche der Landebahnen und des Vorfeldes. Das ist eine sehr naturverträgliche Methode um den Platz kurz zu halten. Auch Wühlmäuse werden durch diese Methode erfolgreich zurückgedrängt, da diese es nicht mögen, wenn die Schafe ihre Gänge immer wieder durch ihre Hufe zerstören. Zwei Mal im Jahr wird im Bereich der Hauptbahn und nur einmal im Jahr die Querbahn maschinell gemäht.
An dem vom LVM angelegten Teich hinter dem Unterstellplatz für Segelflugzeuge kann man im Sommer Libellen und andere Insekten beobachten.
Die angrenzenden Waldbereiche der Mönchsheide beherbergen viele seltene Pflanzen- und Tierarten. Bei einer einmaligen Begehung im Mai 2009 (1h) mit einem Ornithologen konnten bereits über 30 Vogelarten verhört werden (s. Tabelle 1).
Aber auch viele verschiedene Pilzarten und sogar Orchideen sind im Bereich der Mönchsheide heimisch. Es wäre sicher spannend mal eine Gesamterhebung der Arten zu machen – wer weiß, welche spannenden und seltenen Arten noch zu finden wären.
Dem LVM gehören ca. 3,5 ha Wald  Ein Teil wird regelmäßig durchforstet, ein Bereich wurde aber auch ganz aus der Nutzung genommen, um einen Ruhebereich für die Tierwelt zu schaffen. Hier steht und liegt viel Totholz, welches z. B. für Spechte und Nutz-Insekten ein Paradies darstellt. Aber auch Rehe nutzen die Abgeschiedenheit um ihre Kitze zur Welt zu bringen.

Tabelle 1: Artenliste einer einmaligen Begehung (1h) auf der Mönchsheide am 10.5.2009

 Artname 
Rotmilan    
Milvus milvus
 Mäusebussard   
   Buteo buteo
 Turmfalke    Falco tinnunculus
 Ringeltaube   
  Columba palumbus
 Mauersegler   
  Apus apus
 Buntspecht   
  Dendrocopos major
 Eichelhäher   
  Garrulus glandarius
 Aaskrähe   
  Corvus corone/cornix
 Blaumeise   
  Parus caeruleus
 Kohlmeise   
  Parus major
 Feldlerche   
  Alauda arvensis
 Rauchschwalbe   
  Hirundo rustica
 Mehlschwalbe   
  Delichon urbicum
 Fitis   
  Phylloscopus trochilus
 Zilpzalp   
  Phylloscopus collybita
 Mönchsgrasmücke   
  Sylvia atricapilla
 Gartengrasmücke   
  Sylvia borin
 Dorngrasmücke   
  Sylvia communis
 Wintergoldhähnchen   
  Regulus regulus
 Sommergoldhähnchen   
  Regulus ignicapilla
 Gartenbaumläufer   
  Certhia brachydactyla
 Zaunkönig   
  Troglodytes troglodytes
 Star   
  Sturnus vulgaris
 Amsel   
  Turdus merula
 Singdrossel   
  Turdus philomelos
 Rotkehlchen   
  Erithacus rubecula
 Hausrotschwanz   
  Phoenicurus ochruros
 Heckenbraunelle   
  Prunella modularis
 Haussperling   
  Passer domesticus



 

 































 


Bachstelze    
 Motacilla alba
 Buchfink               
  Fringilla coelebs
 Grünfink   
  Carduelis chloris
 Goldammer   
  Emberiza citrinella

 

 

 

Lärmschutz

Leiser fliegen - ein Thema, dem sich der Luftsportverein Mönchsheide von Beginn an widmet: die Platzrunde ist auf 300 m Höhe festgelegt, Motorflugzeuge sind angehalten, beim Start so schnell wie möglich Höhe zu gewinnen, keine Orte und Häuser zu überfliegen und die Geräuschentwicklung des Motors so gering wie möglich zu halten. Der Verein hat für den Start leichter Segelflugzeuge ein besonders leises Ultraleicht-Flugzeug angeschafft, das vorzugsweise eingesetzt wird. Die meisten Segelflugzeuge werden ohnehin umweltfreundlich mit der Seilwinde gestartet.

Luftsport und Natur(schutz) können gemeinsam viel bewegen und auf der Mönchsheide möchten wir als LVM unseren Teil dazu beitragen und die Natur hier auf unserem Gelände schützen, erhalten und weiterentwickeln. Hierzu arbeiten wir mit vielen Fachleuten aus Natur- und Umweltschutz zusammen. So hat sich das Segelfluggelände Mönchsheide zu einem Ort entwickelt, der im Sinne der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ (BMU 2007) die Kooperation zwischen Naturschutz und Sport pflegt.
Wer noch mehr über da Thema Luftsport und Naturschutz erfahren möchte kann sich die CD „Luftsport und Naturschutz für Piloten – natur- und umweltbewusst fliegen“ (herausgegeben vom Deutschen Aero Club und dem Bundesamt für Naturschutz) unter http://www.daec.de/uw/Ausbildungsunterlagen.php herunterladen oder bestellen.

 

Pflanzen und Pilze

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Vogelwelt

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Turmfalke (Falco tinnunculus)

Turmfalke auf der Mönchsheide beim Rüttelflug. © Michael Pütsch

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ABA-Gebiete

Neue Darstellung in Luftfahrtkarten

In den Luftfahrerkarten der Deutschen Flugsicherung (ICAO) und der Fa. Jeppesen (VFR-Karten) sind seit 2007 Gebiete mit hohem Vogelaufkommen während der Rast- und Zugzeiten sowie Gebiete mit "besonders störsensiblen" (Großvogel-)Arten aufgenommen. Sie lösen die Vogelsymbole (Enten) ab, die sich als zu wenig aussagekräftig erwiesen haben.

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