Luftsportverein Mönchsheide

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Start Presseberichte Aux vaches – von der Mönchsheide im Sommer 2009

Aux vaches – von der Mönchsheide im Sommer 2009

Eine sommerliche Begebenheit

„Heute möchte ich gern mit der D1 überlandfliegen“, antwortet Chris Polich (20) morgens während des alltäglichen Briefings auf die Frage nach seinem Flugvorhaben. Das Sommerlager des Luftsportvereins Mönchsheide ist in vollem Gange, das Wetter erscheint geeignet und so spricht nichts gegen den Plan. Gesagt – getan, die Thermik ist gut, der Westerwald ruft und Chris verschwindet in östlicher Richtung. Der Übungsbetrieb am Platz geht weiter – bis sich nach etwa zwei Stunden im Flugfunk Chris’ Stimme mit einer Positionsmeldung vernehmen lässt: „Mönchsheide, die D1 bei Dierdorf in 700 m Höhe.“ -  „hm,  . . . nicht schrecklich hoch – zum Rückflug noch zu wenig, das wären 30 km, dazwischen liegt das zerklüftete Wiedtal“, denkt der Zuhörer. Chris wird das auch gedacht haben: also sucht er weiter nordöstlich der A3 nach Aufwind, aber der will sich nicht so recht einstellen und so trifft der nächste Funkspruch ein: „D1 bei Montabaur – wahrscheinlich Außenlandung!“

„Die Außenlandung gehört zum normalen Betriebszustand eines Segelflugzeuges“, sagt das Luftverkehrsgesetz – und deshalb wird jeder angehende Pilot auf dieses Ereignis auch sorgfältig und intensiv vorbereitet: denn während eines Überlandfluges ist der Segelflieger ganz  darauf angewiesen genügend  Aufwind zu finden, ihn geschickt kreisend zu nutzen, dabei immer wieder Höhe zu gewinnen und diese im Abgleiten in Flugstrecke umzusetzen. Die Landschaft überfliegend – Berge, Täler, Wälder, Wiesen und Felder – beobachtet der Pilot auch immer den Erdboden: ob er Thermik auslösen könnte, ob er sich bedenklich nähert und ob er zum Landen geeignet wäre.

Der vorhandene Höhenmesser nützt dann wenig, denn dieser kann nur die Höhe über dem Startplatz oder dem Meeresspiegel anzeigen, nicht aber über dem augenblicklich überflogenen Gelände. Wenn also der Aufwind nachlässt, beginnt der Segelflieger rechtzeitig mit dem Auge abzuschätzen, wie hoch er ist und welche Erdbodenfläche sich als Landefeld anbietet. Ein abgeerntetes Feld – schön lang, flach, gegen die Windrichtung und mit hindernisfreiem Anflug - findet sich je nach Jahreszeit nicht immer. Aber Wiesen und Weiden sind häufig zu sehen und sie stellen deshalb die Alternative, allerdings mit ein paar Unwägbarkeiten: Gräben, Zäune und das liebe Vieh. In Frankreich ist es deshalb unter Segelfliegern üblich die Außenlandung so zu bezeichnen: „Aller aux vaches – zu den Kühen gehen.“ Und nicht selten hat dann ein gelandeter Segelflieger sich und sein Flugzeug gegen neugierige oder aggressive Kuhmäuler zu verteidigen.

Die Rückholer bereiten für Chris also den PKW mit Transportanhänger vor, kurz darauf der Telefonanruf: „Glatte Landung in einem Kornfeld!“ Wenn das `mal gut gegangen ist . . . !

Am Abend kommen sie zum Flugplatz zurück – mit einer unerwarteten Story: das Flugzeug unbeschädigt, die Bremsklappen voll mit Korn und Ähren, alles kein Problem. Aber Chris’ Bericht ! „Anflug über den Ort, Landung im hohen Korn wie theoretisch gelernt, vergebliches Warten auf jemanden aus dem verschlafenen Dorf. Stattdessen ein Hilferuf von jenseits des Feldes! Die Stimme eines Bauern – hinrennen – nachsehen - . . .  und helfen!!“ - „Eine Kuh war in einen ca. 1 m tiefen Wassergraben gerutscht und lag mit dem Rücken im fließenden, kalten Wasser, wahrscheinlich schon sehr lange.“ berichtet auch Rückholer Rolf Vogel. “Sie war unterkühlt und zitterte.“ Da war Anpacken gefragt! Chris zögert nicht lang, hält ihr Maul über Wasser. „Der Bauch war stark gequollen, weil der Pansen in dieser Rückenlage nicht entlüftet werden konnte.“, so Vogel weiter.  Endlich erscheint der Bauer mit seinem Trecker wieder und mit Hilfe des Frontladers ziehen und schieben sie die Kuh an Land. Mit gegen den Bauch gestemmten Füßen gelingt es ihr aufzustehen und nach vorne wie nach hinten den Überdruck abzulassen, was den Besitzer sichtlich erfreut: sie gilt nun als gerettet.

Aus Dankbarkeit verzichtete der Bauer auf seinen Regressanspruch wegen des Ernteausfalls im Kornfeld und versprach, einen Freiflug für ihn und seine Frau auf der Mönchsheide als Kompensation anzunehmen.

„Aller aux vaches – dass dieser Segelflieger-Spruch einmal eine solch konkrete Interpretation erfahren würde, hätten sich Chris und seine Clubkameraden des Luftsportvereins Mönchsheide nie träumen lassen !
Segelflieger rettet ertrinkende Kuh . . .  auch der Lagerfeuerabend war gerettet.