Luftsportverein Mönchsheide

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Start Erlebnisberichte 2007- Mein erster Streckenflug

2007- Mein erster Streckenflug

Mönchsheide, 28. April 2007

Es ist Samstag, 09:00 Uhr, als ich auf der Mönchsheide eintreffe, um mit meiner Flugvorbereitung zu beginnen. Normalerweise beginnt der Flugbetrieb samstags erst um 11 Uhr, aber ich habe heute besonderes vor: Ich brauche für den PPL-C, die Privatpilotenlizenz für Segelflieger noch meinen 50-km-Überlandflug, bei dem die zurückgelegte Strecke mehr als 50 km betragen muss. Doch zunächst müssen die beiden Windenseile getauscht werden, weil sie nach dem Gebrauch der letzten Monate öfter reißen und den Flugbetrieb unterbrechen. Das zieht sich in die Länge, so dass wir in aller Ruhe die Flugzeuge ausräumen und ich die Vorbereitungen für meinen Flug treffen kann. Da gibt es einiges: Papiere des Flugzeuges einpacken, einen Rückholer organisieren, Anhänger und -papiere checken, den Flug mit Markus, meinem Fluglehrer absprechen und natürlich den Flug selber planen.

Das geht heute selbstverständlich mit dem Computer und einem Logger, einem GPS-Empfänger, der den Flug aufzeichnet und mir im Flug die Richtung zum nächsten Wegpunkt anzeigt. Es wird immer später und ich frage mich um 13 Uhr, ob das heute überhaupt noch etwas wird. Aber Ende April und bei dieser Wetterlage ist Geduld gefragt: In den letzten Wochen wurden die längeren Flüge auch erst gegen Nachmittag gestartet. Auf einmal geht alles schnell: Die neuen Seile werden ausgezogen, ich schiebe das Flugzeug an den Start: Eine DG-101, Kennzeichen D-4159, mit der ich aus 1 km Höhe etwa 30-35 km gleiten kann. Wenn die Thermik nicht allzu schlecht ist, stellt der Flug mit diesem Flugzeug kein wirkliches Problem dar. Ich ziehe den Fallschirm an, verstaue alles im Cockpit und hänge heute als erster am Seil. Beim Ausklinken in etwa 300 Metern Höhe stelle ich schon beim ersten Blick auf das Variometer fest: Heute geht einiges. Nach wenigen Minuten bin ich bereits 1.000 Meter über der Heide und wage den Abflug, als ich 1.500 Meter erreicht habe. Starkes Sinken lässt mich zunächst noch einmal den "Hausbart" über dem Gutshof aufsuchen, aber als ich abermals die 1,5 km-Marke übersteige, fliege ich Richtung Westerwald ab. Der Flugauftrag lautet, bis zum Flugplatz Ailertchen bei Westerburg zu fliegen. Wenn ich es nur bis dorthin schaffe, habe ich die Bedingungen für den Schein bereits erfüllt. Auf dem Weg dorthin wähle ich den Flugplatz Dierdorf-Wienau als Checkpunkt, weil ich bei nicht ausreichender Höhe auf dem Flugplatz landen kann. Die nötige Höhe für den Sprung über den Rhein habe ich schnell zusammen, aber es ist doch ungewohnt, das erste Mal aus der Platzrunde herauszufliegen und so "traue" ich mich erst beim zweiten Anlauf, nachdem ich das erste Mal nach einem Höhenverlust von 300 Metern zum Gutshof zurückgeflogen bin. Meine Entscheidung wird dadurch belohnt, dass die Entfernung nach Dierdorf stetig abnimmt und ich immer wieder neue "Bärte" finde. Es dauert nicht lange, und ich befinde mich über der Anschlussstelle Rengsdorf an der A3, die im Übrigen zusammen mit der ICE-Neubaustrecke eine klasse Auffanglinie darstellt.


Ich überfliege Dierdorf in einer Höhe von 1300 Metern und kreise kurz hinter dem Flugplatz wieder ein, bis ich eine Höhe von 1800 Metern über dem Meeresspiegel erreicht habe - eine komfortable Höhe, mit der ich auf jeden Fall die 20 Kilometer bis Ailertchen schaffen werde. Immer öfter gleitet der Blick auf den "Volkslogger", auf dem sich die Entfernung zum Ziel kontinuierlich verringert. Auf einmal fallen mir die Landebahnmarkierungen der Grasbahn und der Landekreis der Fallschirmspringer in EDGA, wie Ailertchens Flugplatz-Code lautet, ins Auge. Ich teile meinem Fluglehrer über Funk mit, dass ich über Ailertchen bin. "Hervorragend!". Da dies mein erster Streckenflug ist, will ich nicht übertreiben und mache mich wieder auf den Weg zurück zur Heide. Wieder über Dierdorf komme ich unter eine Wolke, bei der ich testen will, wie gut die Thermik ist. Auf einmal fliegt ein Pulk von fünf bis sechs Flugzeugen in etwa 200 Metern über mich hinweg - ein eindrucksvolles Bild. Über der Heide habe ich wieder sehr viel Höhe und entschließe mich, noch einen Abstecher nach Bad Neuenahr zu machen. Auf dem Flugplatz der Kurstadt ist aber genauso wenig los wie in Dierdorf und so gleite ich zur Heide zurück und ordne mich in die Platzrunde ein. Nach knapp zwei Stunden lande ich wieder auf der Mönchsheide, mit einem großen Grinsen im Gesicht und um viele schöne Erfahrungen reicher. Solche Flüge, dessen bin ich mir sicher, machen den besonderen Reiz des Segelfliegens aus.

Die Auswertung auf dem PC zeigt: Die Gesamtstrecke beträgt 123,7 Kilometer, genug also, um sich nun zur praktischen Prüfung anzumelden und damit endlich den ersehnten Luftfahrerschein zu erhalten. Abends gibt es dann noch einen Grund mehr sich zu freuen: David Canals-Imohr fliegt die ersten drei Platzrunden alleine und erfüllt damit die Bedingungen der A-Prüfung - der erste Schritt zum Schein, den ich vor nunmehr drei Jahren machte. So geht ein ereignisreicher aber schöner Apriltag zu Ende.

Benedict Kläser